Am 19. Juli sollte sich zum Nachmittag in Süddeutschland ein Leetief bilden, außgehend vom allgemein schon tiefen Luftdruck über Mittel- und Nordeuropa. Dieses brachte die darauffolgenden Tage unter Verstärkung in Deutschland von Südwesten her viel Regen. Gewitter waren vor dem Dauerregengebiet am wahrscheinlichsten. Am 19. Juli schaute tagsüber nochmals die Sonne heraus und erwärmte die Luft bis auf 25°c, unterstützt durch Warmluftadvektion vom Mittelmeer über den Alpen.

Am Nachmittag ging es dann endlich los - es war zwar nicht sicher, ob es wirklich für starke Gewitter reichte, doch wenn es Quellwolken erstmal geschafft hatten, sich ordentlich zu entwicklen, so wuchsen sie in schonmal in einer Umgebung mit guter Windscherung. So dauerte es auch nicht lange, bis sich aus einem Gewitter an den Alpen eine Superzelle entwickelte. Diese zog von Kempten nach Landsberg und auf dieser Strecke verstärkte sie sich stetig.

Am 21. und 22. Juni ging es erst einmal auf eine Bergtour in die Lechtaler Alpen, um das freundliche Wetter zu nutzen. Für den 22. Juni kündigten sich allerdings schon wieder Gewitter an, sodass ich plante, zum Mittag wieder im Tal zu sein.

Doch bereits am 21. Juni wurde ich während der Tour von einem Gewitter am Abend überrascht - der Hauptteil zog aber wohl etwas südlich vorbei. Kaum war ich am nächsten Tag vom Berg abgestiegen, bildete sich, etwa von den Lechtaler Alpen bis zu den Ammergauer Alpen, schon eine erste kleine Gewitterlinie heraus. Diese zog Richtung Nordosten, während sie nicht besonders stark war. Doch der östliche Teil entwickelte sich später zu einer Superzelle, die am Alpenrand entlang ins Chiemgau und weiter nach Osten zog und dort beachtliche Schäden hinterließ. Bei orkanartigen Böen stürzten viele Bäume um, Hagel vernichtete Felder usw..

Im Großraum Landsberg gingen hinter der Linie später ein paar Gewitter hoch, die von den Strukturen her aber wenig zu bieten hatten - auch die Lebensdauer war meist sehr kurz. Richtig interessant wurde es dann erst, als eine lange Gewitterlinie durch ganz Baden-Württemberg von Westen her näher kam.

Ein Blick auf das Radar machte die Entscheidung einfach, nach Norden zu fahren, wo die Linie am stärksten war. So fuhr ich zum östlichen Rieskrater-Rand.