Sonntag, 8. Juni 2014

Nach einem bisher eher enttäuschenden Saisonbeginn kam es zu Pfingsten zu einer überregionalen Unwetterlage. Selten sieht man eine so energiereiche Luftmasse über Mitteleuropa, gekoppelt mit - zu Beginn der Unwetterserie - starker Scherung, dazu ein (manchmal zu starker) Deckel und schwere Unwetter sind vorprogrammiert.

Die große Frage lautete wie immmer: Wo? Solche Wetterlagen sind es wert einige hundert Kilometer zu fahren und in den "Chasingmodus" zu gehen, was heißt: essen, schlafen, chasen, essen, chasen, schlafen (Übermüdung ist einprogrammiert)... ;-) Natürlich kann man nicht an jedem Gewitter dran sein, aber man gibt sein Bestes. Ich war zusammen mit Tobias Hämmer von wetteraction.de unterwegs.

Ein Gewittercluster zog bereits am Vormittag nach Nordwestdeutschland herein. Wir spekulierten, dass das Leading Edge, ähnlich wie am 27. Juli 2013, durchzündet und zu einer Superzelle wird.

Das passierte nicht; das Gewittercluster zog stattdessen eher weg von der Konvergenz in die schlechtere Luftmasse. Erst im Nordosten, wohin die extrem labile Luft tagsüber gebracht wurde, verstärkte sich das Cluster zusammen mit starken Neuentwicklungen. Auch in der Gegend Wolfsburg kam es zu unerwartet heftigen Gewittern, von denen wir nur die Rückseite sahen - denn wir selbst standen in Nordhessen, wo es über den Mittelgebirgen leicht köchelte. Dann ging es ziemlich schnell, westlich von Kassel gingen die ersten, gut gescherten Entwicklungen hoch.

Man erkannte allerdings auch, dass sich diese Entwicklungen - im Gegensatz zu denen weiter östlich, am Deckel etwas schwer taten. Trotzdem sollte bei diesem Anblick klar sein, was in der Luftmasse steckt: Kleine Impulse, die schlagartig nach oben schießen, allerdings genauso schnell wieder eingehen, sind ein Zeichen hoher Labilität. So stand bald der erste LP-Tower vor uns, Standpunkt Großraum Kassel.

 

 

 

 

Wir schauten etwas blöd als die Zelle ziemlich schnell wieder einging. Allerdings quellte es im Hintergrund munter weiter, sodass wir einfach nur abwarten mussten...bald schoss der nächste Tower in die Höhe, war deutlich stärker und langlebiger.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Richtung Süden bildete sich, nachdem die Zelle ihren letzen Zyklus hatte, die nächste. Nach längerer Fahrt aufgrund des schlecht angebundenen Straßennetzes erreichten wir einen Aussichtspunkt, von dem wir die Zelle betrachten konnten. Leider hatte sie sich inzwischen schon abgeschwächt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 9. Juni 2014 Am nächsten Tag ging es weiter Richtung NRW, später Ostbelgien. Es bildete sich auf dem Weg dorthin eine Superzelle bei Bonn, die wir abfangen konnten! Auch diesmal handelte es sich über längere Strecken um eine LP-Superzelle. Die eigentlich erwartete Gewitterfront für diesen Tag wurde jedoch erst ein paar Stunden später erwartet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir fuhren nach Ostbelgien, da wir dort das größte Potenzial sahen - und tatsächlich entstand in Belgien die heftige Unwetterlinie, welche später zum Bow-Echo wurde und NRW verwüstete. Hier einige Bilder der Unwetterfront und deren Rückseite in Ostbelgien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 10.6.2014 Extrem labile Luft, aber weniger Scherung und weniger Forcing ließen offen, wo es heute die Gewitter geben sollte. Wir verlagerten uns entsprechend der aktuellen Wetterentwicklungen immer weiter nach Süden, bis wir vor einer tollen Gewitterzelle im Ostalbkreis landeten.

 

 

 

 

 

 

Danach ging es erstmal nach Hause, doch es folgte nachts noch ein spektakuläres Nachtgewitter!